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Chronik

Die Entwicklung des Feuerlöschwesens in Lichtenberg
In Deutschland zeigten sich die ersten Anfänge einer Feuerordnung im 13. Jahrhundert. Die Entstehung und Entwicklung der Städte und die zum Schutz errichteten Burgen mit hoher Brandgefahr waren Anlass, Feuerordnungen zu erstellen. Durch die damalige Bauweise konnte ein Feuer ganze Dörfer und Städte vernichten. Das Erstellen von Feuerordnungen war zur damaligen Zeit eine Empfehlung der jeweiligen Landesherren.
1521 erlässt Herzog Georg der Bärtige die erste sächsische Feuerordnung. Sie führte den Titel „Begreyff der Fewerordnunge“. Diese sollte jährlich dem Volke öffentlich vorgelesen werden. Zunächst galt diese nur für Dresden und wurde im Jahr 1529 für ganz Sachsen gültig.
1642 wurde durch Kurfürst Johann Georg der I. eine neue Feuerordnung eingeführt. Bestimmte Handwerker wurden darin verpflichtet, sich mit ihren Gesellen und Lehrlingen an den Löscharbeiten zu beteiligen. Zu diesen Handwerkern gehörten die Feuermäuerkehrer, die unter Androhung von Strafe eine ordentliche Schornsteinreinigung durchzuführen hatten.
1662 Ergänzung der Feuerordnung durch bautechnische Bestimmungen. Es wurden Brandgiebel, Feuerstätten und Feueressen aus Stein gefordert und Schindeldächer aus Holz verboten.
1712 Sachsens Kurfürst August, genannt „der Starke“, mahnte angesichts großer Schadensereignisse die Aufstellung einer Feuerlöschordnung an.
1717 Durch ein Reskript von Friedrich August wurde angeordnet, dass Feuerlöschordnungen aufzustellen und Feuerlöschgeräte, unter anderem Leitern, Feuerhaken und Eimer anzuschaffen sind.
1719 und 1744 wurden weitere Verordnungen zu der bestehenden Feuerlöschordnung erlassen.
1775 wurde die Sächsische Feuerlöschordnung „Mandat, die auf den Dörfern zu beobachtende Feuerlöschordnung betreffend“ erlassen. Diese gliederte sich in 4 Kapitel und 87 Paragraphen:

In der Zeit dieser Verordnungen und ihrer Modifizierungen kam es auch in Lichtenberg zu vielen Bränden durch Blitzschläge, Feuerstätten, Schornsteinen, Unordnung und Brandstiftung, in deren Folge nicht selten die Gebäude total vernichtet wurden.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in Lichtenberg einmal im Jahr die Feuerstätten durch Gerichtsschöffen überprüft wurden.

In seinen handschriftlichen Aufzeichnungen schreibt Karl Gottlob Schöne:
Vom Jahre 1846 bis im Jahre 1886 also in 40 Jahren hat es in Lichtenberg 16 mal gebrannt., theils durch Blitzschlag und Verwahrlosigkeit, sowie auch durch Anlegung und in 9 Fällen ist es gelungen, durch schnelle Hilfe die Gefahr zu beseitigen, wenn letztgenannte Fälle zum Ausbruch gekommen wären, so würden in den 40 Jahren 25 Brände stattgefunden haben, solches Unglück ist nur in einzelnen Gemeinden zu verzeichnen, unsere Nachbargemeinde Mittelbach hat seit 46 Jahren keinen Brand zu verzeichnen.
Praßer schreibt im Capitel XIX:
Im Jahre 1847, am 8. Juni, abends gegen 10 Uhr, schlug der Blitz bei einem heftigen Gewitter in das Wohnhaus des Gutsbesitzers Johann Gottfried Opitz, Nr. 120 in Lichtenberg, wodurch daselbst nebst der Scheune eingeäschert und im Stalle ein großer Ochse getötet wurde. Den 23. Juni desselben Jahres, nachmittags 2 Uhr, kam nach drückender Sonnenhitze und vollkommener Windstille ein schreckliches Donner- und Hagelwetter über Radeberg, Lotzdorf, Leppersdorf, Lichtenberg, Kleindittmannsdorf, Pulsnitz, verheerte nicht nur die Feld- und Gartenfrüchte total und schlug alles Obst von den Bäumen, sondern richtete auch an den Fenstern und Dächern bedeutenden Schaden an, indem die Eisstücken zum Theil größer als Taubeneier waren, von einem gewaltigen Sturme getrieben wurden. Am 6. April, nachts in der 11. Stunde, begann das Backofendach des Häuslers C. Gottlieb Großmanns in Lichtenberg (Nr. 106) an zu brennen, wurde aber von Männern, welche aus der Niederschänke kamen, noch glücklich gelöscht, obgleich die Flammen schon bedeutend und das Wohnhaus, an welchem der Backofen stand, mit Stroh gedeckt war. Dieser Brand war unzweifelhaft angelegt.
In den entsprechenden Protokollen heißt es:
Lichtenberg, den 22. Dezember 1894 – Der Gemeindevorstand soll bei vorkommenden Bränden eine weiße Binde tragen, der Vorstand wurde beauftragt, auf Kosten der Gemeinde eine anzuschaffen.

Als größeres Schadensereignis ist der Blitzeinschlag in die Kirche während des Gottesdienstes zu Ostern im Jahr 1904 zu nennen. Es wurden drei Personen durch den Blitz getroffen, umliegende Gebäude beschädigt, unter anderem auch das Gerätehaus der oberen Spritzenmannschaft.
Damals war der Brandschutz in Niederdorf und Oberdorf eingeteilt und für die vorhandenen Handdruckspritzen waren Spanndienste festgelegt.
Im Mai des Jahres 1908 ersetzte eine neue „Local-Feuerlöschordnung“ die alte Dorffeuerordnung und es wurde eine Pflichtfeuerwehr gegründet. Alle männlichen Einwohner vom 21. bis zum 60. Lebensjahr waren zur Mitarbeit verpflichtet. Die Gliederung in Ober- und Niederdorfwehr blieb erhalten. Die neue Feuerlöschordnung regelte die Altersgrenzen der Angehörigen der Pflichtfeuerwehr.

Pferdegespann mit Handdruckspritze Oberdorf und Niederdorf bis 1933

Bis zum 1. August 1908 erarbeitete die Gemeinde eine neue Feuerlöschordnung für Lichtenberg, welche der Gemeinderat bestätigte. In der Sitzung der Königlichen Amtshauptmannschaft mit dem Bezirksausschuss erfolgte am 10.12.1908 die Bestätigung der Satzung und am 23.12.1908 kam es zur Unterzeichnung durch Dr. Walther von der Amtshauptmannschaft. Es ist anzunehmen, dass es für diese Feuerlöschordnung eine Musterordnung gab, da in den umliegenden Orten die Ordnungen alle ähnlich waren. Diese Feuerlöschordnung war bis zur Gründung der Feuerwehr Lichtenberg gültig und Gesetz.

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenberg
Vor 1933 existierte eine Pflichtfeuerwehr, die sich in Ober- und Niederdorfwehr aufteilte. An der Mittelbacher Straße stand das obere Spritzenhaus zwischen den Gebäuden von Rammer, Nr. 7 und Eisold, Nr. 9. Das Spritzenhaus für die Untere Wehr befand sich zwischen der Niederschmiede, Hauptstraße 83, am Lichtenberger Wasser bis hin zur heutigen Bushaltestelle „Am Schwan“.

Im März 1933 brach auf der Mittelbacher Straße, auf dem Gehöft von Bernhard Mägel, ein Scheunenbrand aus. Der Brand drohte sich zu einem Großbrand zu entwickeln, der die ganze Mittelbacher Straße bedrohte.
Es zeigte sich, dass die vorhandenen Mittel zur Brandbekämpfung unzureichend waren. Um das Feuer unter Kontrolle zu bringen, alarmierte man die Feuerwehr Liegau. Durch den Einsatz der Motorspritze konnte ein schneller Löscherfolg erzielt werden.
In einer Einwohnerversammlung nach dem Brand wurde die Forderung zur Verbesserung des Brandschutzes und der Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr laut.
Die Gemeinde kam dieser Forderung nach und holte Angebote für die Beschaffung einer Motorspritze ein.
Nach Prüfung der Angebote fiel die Entscheidung zugunsten der Firma Müller in Döbeln. Es handelte sich um eine Kapselschieberpumpe, welche in ihrer Bedienung nicht einfach war, aber sehr zuverlässig arbeitete. Für die Finanzierung sprach man bei öffentlichen Anstalten vor und startete eine Sammlung im Ort, die sehr erfolgreich war.

Im August 1933 fand die Gründungsversammlung in Schreiers Gaststätte statt. 60 Mann trugen sich in die Liste der Aktiven ein, viele weitere meldeten sich als passive Mitglieder. Die passiven Mitglieder unterstützten die Wehr durch Spenden. Der Wehrleiter wurde der damalige Bürgermeister Emil Siegemund, der sich für die erfolgreiche Entwicklung der Wehr aktiv einsetzte.
Die Wehr gliederte sich in 3 Züge: den Steigerzug, den Spritzenzug und den Absperrzug. Zusätzlich gab es einen Musikzug.
1933 begann der Bau eines neuen Gerätehauses und am 5. Mai 1934 konnte das neue Gebäude bezogen werden.
Mit der Beschaffung eines neunsitzigen Kraftwagen-Zugfahrzeuges vom Typ Hupmobil im Februar 1936 konnte die Einsatzbereitschaft der Wehr wesentlich verbessert werden.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges kamen schwierige Beding-ungen für die Einhaltung der Einsatzbereit-schaft auf die Wehr zu. Eine große Anzahl von Kameraden wurde zum Kriegsdienst einberufen. Die fehlenden Einsatzkräfte ergänzten Altersmannschaften und Jung-volk ab dem 14. Lebensjahr.

Vom 22. bis zum 26. April 1945 kam es zu zwei Bränden im Ort. Das Wohnhaus der Sattlerei Schaller brannte völlig aus, es handelte sich um Brandstiftung durch den Eigentümer, 5 Personen kamen dabei ums Leben. Der zweite Wohnungsbrand ereignete sich auf der „Zwiebackgasse“ (Gartenstraße), polnische „Befreier“ hatten in den Betten geraucht. Im Mai nahm die Wehr ihre Tätigkeit unter schwierigen Bedingungen wieder auf. Unter dem Wehrleiter Arthur Haufe wurde die Wehr wieder auf 30 Einsatzkräfte verstärkt und Geräte und Ausrüstung einsatzbereit gemacht.
Im Juni des gleichen Jahres mussten alle Kraftfahrzeuge in Pulsnitz hinter dem Schützenhaus abgegeben werden, auch das Löschfahrzeug war davon betroffen. Es konnte Ende Juni mit einem Kraftfahrzeugbrief der Sowjet–Militärischen-Verwaltung in russischer und deutscher Sprache wieder in Dienst gestellt werden.
Die Löschwasserbereitstellung erfolgte aus den örtlichen Teichen. Hier war für die Feuerwehrleute ein breites Betätigungsfeld gegeben, bis die Schaffung der zentralen Wasserversorgung im gesamten Ort erfolgte. Schließlich dienten die Teiche auch als Wasserspender für die Übungszwecke bis in die 80er Jahre. Der Wehrleiter, Arthur Haufe, fertigte 1945 eine Übersicht der Löschwasserstellen-Prüfung an. Immerhin gab es zu jener Zeit noch 14 Teiche in der Ortslage.
In dieser Zeit kam es, am 22. Juni, zu einem Scheunenbrand in Mittelbach. Auch unsere Wehr wurde zum Einsatz gerufen. Die Kameraden mussten die Tragkraftspritze mit Muskelkraft über den Eichberg ziehen.